Wall of Shame

Es geschieht fast lautlos, überall und täglich in Berlin und ist in den meisten Fällen keine Pressemeldung mehr wert – der ganz alltägliche Entmietungswahnsinn auf einem überhitzten Immobilienmarkt.

Um ihre alten Mieter loszuwerden, lassen sich Hausbesitzer so einige Drohgebärden einfallen. Denn der Wohnungsmarkt in Berlin ist überhitzt. Es gibt genug Interessenten, die bereit sind, viel Geld für Immobilien hinzublättern. Der aktuelle Niedrigzins heizt den Markt noch an. Altmieter stören da erheblich. Wer sie rauskriegt, kann eine Wohnung deutlich teurer neu vermieten. Oder besser verkaufen – und dabei satte Gewinne einstreichen. Dementsprechend steigt die Zahl der Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen rapide: 2011 waren es rund 4.740, ein Jahr später schon mehr als 7.260.

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Vor den „Tarsap-Häusern“, Alvenslebenstraße. Pressetour der „Wall of Shame“ am 10.09.2016

Die Entmietungspraktiken werden bei zunehmender Anspannung auf dem Markt in Berlin rabiater. Es häufen sich Fälle von Entmietungsfirmen aus Russland und der Ukraine, die notfalls auch mal mit dem Schlagring kommen. Mieter werden durch nächtliche SMS terrorisiert werden und durch Baustellen, Heizungsausfällen, geplatzte Wasserrohre oder herunterkommende Zimmerdecken mürbe gemacht. Mieter berichten von Hausbesitzern, die auf Gerüste klettern, um von außen einen Blick in die Wohnung zu werfen, oder Wasser im Hausflur ausschütten, um so den Zugang zur Wohnung zu erzwingen.

Die „Wall of Shame“ ist 2016 auf Initiative des Aktionsbündnisses Entmietung entstanden. Sie lud am 10. September zu einer Pressetour entlang betroffener Häuser in Schöneberg und Kreuzberg und ließ die Mieter zu Wort kommen lassen.

Die Wall besteht zurzeit aus 12 Plakaten, die jeweils über die Hintergründe und Fakten eines betroffenen Hauses berichten. Die Plakate zeigen exemplarisch, was Entmietungen bewirken und bezwecken.

Entmietung – das ist ein langer Prozeß – nicht nur der Tag des endgültigen Auszuges.
es findet tausendfach in Berlin statt
1.000fache Bereicherung auf Kosten Betroffener
1.000fach vor Niedrigzins in den Immobilienmarkt „gerettetem“ Kapital, dass sich ohne Gegenwehr einer Mieterlobby oder des Gesetzgebers vermehren darf
1.000fach Nötigung
1.000fach das Ausspielen der Macht des Grundbesitzes
1.000fach die schnöde Ausnutzung der Gesetz der verschiedenen Regierungskoalitionen
1.000fach die Entwurzelung gewachsener Nachbarschaften, Treppenhausfreundschaften, Hofbegrünungen, Katzen- und Pflanzenpatenschaften
1.000fach lange Abschiede von ans Herz gewachsenen Aussichten auf „unseren Baum, unseren Hof, unseren „Späti“.

Wall Of Shame On Tour:
Die Wall of Shame wird in unregelmäßigen Abständen öffentlich gezeigt. Die ersten Stopps findet ihr hier.