Anwohner*innen sagen NEIN zur Vermietungspraxis der Gewobag in der Potsdamer Straße 183

Chronik der Ereignisse

21. April 2020 Gemeinsam haben wir viel erreicht
Wir bedanken uns bei den vielen Nachbar*innen, die unseren Offenen Brief bezüglich der Gewobag-Vermietung in der Potsdamer Straße 183 unterstützt haben. Ihr habt entweder eine Email an die Gewobag geschrieben, ihr habt in den Sozialen Medien euren Unmut geäußert und ihr habt das direkte Gespräch mit der Gewobag gesucht. 


Mit unseren gemeinsamen Bemühungen habe wir schon einiges geschafft. Zunächst hat sich die Gewobag in einer Email an uns alle individuell gewandt und ihr Verständnis für unseren Unmut zum Ausdruck gebracht. Weiter schreibt die Gewobag: „… Vermietet haben wir das Objekt als Showroom für Sicherheitsartikel. Wir sind selbst von der Auslage des Geschäfts überrascht worden und distanzieren uns hiervon vollständig. […] Selbstverständlich weisen wir die Unterstützung derartiger Geschäfte und Einrichtungen streng von uns. Daher haben wir sofortige Maßnahmen eingeleitet und werden diese noch heute mit dem Mieter in einem persönlichen Gespräch erörtern.“
Das erwähnte Gespräch fand gestern, am 20. April 2020, statt. Die Gewobag hat uns heute informiert, dass sie sich nun in einer mietrechtlichen Klärung mit dem Mieter befinden aber – verständlicherweise – über die Interna keine Angaben machen können. Sie versichern uns aber, dass sie das Anliegen der Bewohner*innen verstehen und dies auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten berücksichtigen werden. 
Soweit erstmal und einen ersten Dank an die Gewobag, dass sie sich der Angelegenheit angenommen hat. Wir sind nun gespannt darauf, dass uns das Ergebnis der mietrechlichen Klärung mitgeteilt wird. 
Dass unser Anliegen Gehör findet, werten wir als positives Zeichen, das wir in naher Zukunft gerne aufgreifen werden. 

19. April 2020 – Umdekoration macht den Laden bei uns auch nicht beliebter. Es sind ja noch immer Waffen, die verkauft werden. Nur dass sie jetzt hinten im Laden an der Wand hängen. Und die Auslagen suggerieren, dass doch der Selbstschutz so notwendig sei. Es ist und bleibt ein Waffengeschäft und das wollen wir hier nicht.

17. April 2020 Offener Brief: KEIN Waffengeschäft im Schöneberger Norden. Wir sagen NEIN!

Wer sich diesem offenen Brief anschliessen möchte, schickt bitte eine Nachricht an: service@gewobag.de

In der Potsdamer Straße 183 kündigt aktuell ein Waffengeschäft seine baldige Eröffnung an. Vermieterin dieser Liegenschaft ist die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gewobag.

Hier, wo sich das Quartiersmanagement Schöneberger Norden seit Jahren um den Abbau von sozialen Spannungen bemüht, setzt die Gewobag ein Waffengeschäft mittenrein? Warum tut sie das?

Mit 18’588 Straftaten im Jahr 2019 weist der Schöneberger Norden die höchste Kriminalitätsrate des Bezirks auf. Zudem geht die Potsdamer Straße in Schöneberg an der Kurfürstenstraße in den Bereich Tiergarten Süd in Mitte über. Dieser belegt mit 33’706 Straftaten im Kriminalitätsatlas den fünften Platz im Gesamtranking der stark belasteten Bezirke von Berlin.

Silvester 2019/2020 wurde die Nachbarschaft an der nahegelegenen Kreuzung mit der Pallas-/Goebenstraße mit mehr als einer Hundertschaft Polizei vor der Silvesterknallerei geschützt, denn an dieser Ecke wurden auch an den Jahreswechseln zuvor Böller mit teilweise lebensgefährlicher Sprengkraft gezündet. „Jedes Jahr wird die Bushaltestelle entglast“ – so der Leiter des zuständigen Polizeiabschnitts. Woher die Jugendlichen im Einzelnen kamen, ist nicht geklärt, sicherlich nicht alle hier aus unserem Kiez. Doch es ist klar, dass der Schöneberger Norden einen Nimbus hat, der krawallbereite Jugendliche immer wieder anzieht.

Wir sind Anwohnerinnen und Anwohner und sind entsetzt über die Aussicht, demnächst ein Waffengeschäft in unserer Nachbarschaft zu haben. Wir lehnen Waffen grundsätzlich ab: für uns stehen sie für Eskalation, Gewalt und Krieg. Täglich sterben auf der Welt im Durchschnitt etwa 2.000 Menschen durch Waffengewalt – die meisten davon, rund 95 Prozent, sterben durch Kleinwaffen.

Wir leben gerne in diesem vielgestaltigen und bunten Kiez und engagieren uns, auch wenn es hier in manchen Aspekten schwierig ist. Deshalb sind wir mit den zahlreichen sozialen Einrichtungen hier im Kiez vernetzt, um ein friedliches Miteinander zu gestalten.

Der Gewobag ist all dies bewusst, denn sie ist in vielen dieser Gremien mit eingebunden. Mit dieser Vermietung konterkariert sie jedoch alle Bemühungen um lebendige Vielfalt in unserem Stadtteil.

Wir fordern die Gewobag auf, diese Vermietung rückgängig zu machen.

Berlin, 16. April 2020

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